Den „bewaffneten Frieden“ habe ich nie gelernt

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Foto : Sybille Daden / pixelio.de

Normalerweise war der Grund, warum ich nach der Schule in den Hort ging, dass so sichergestellt war, dass meine Hausaufgaben erledigt wurden. Dennoch gab es Aufgaben, die wegen ihrer Art, nicht immer im Hort erledigt werden konnten. Das traf immer dann zu, wenn in Heimatkunde eine Heftseite gestaltet werden sollte, oder eben ein Gedicht gelernt werden musste. Und Gedichte zu lernen, war genau das, was ich in der Grundstufe so gut wie nie tat.

Gerade hatten wir das Gedicht „Bewaffneter Friede“ von Bertolt Brecht zu lernen, in dem es um einem Fuchs ging, der einen Igel mit List dazu bringen wollte, sein Stachelschutz abzulegen, um so für den Fuchs eine leichte Beute zu sein. Jedenfalls ich hab dieses Gedicht nicht gelernt, was natürlich nicht daher rührte, dass ich ein politisches Gedicht nicht lernte, denn ich gehörte nicht zu den Jungpionieren, und subtil politisch war dieses Gedicht sehr wohl. Ganz im Gegenteil, ich war einfach zu faul dafür.

Meine Strategie beim „bewaffneten Frieden“

Und wie sollte ich mich aus der Misere retten, als der Tag kam, als das Gedicht mit Benotung vorgetragen werden sollte? Alle Lehrbücher waren im Ranzen verstaut. Schummeln war nicht möglich. Bevor ich von der Strategie erzähle, die mir da heraus geholfen hat, gebe ich zuvor noch ein paar Hintergrundinformationen:

In unsere Klasse gab es immer Schüler, die hatten, selbst bei aller Anstrengung eine sehr leise Stimme. Wenn diese also eine Antwort gaben, welche man nicht verstand, gab es nicht selten Unruhe in der Klasse. Unsere Klassenlehrerin sagte dann immer, dass wir fair sein sollten und dem Mitschüler zuhören sollten, weil man durch seine Antwort durchaus etwas Nützliches lernen konnte.

Die Anwendung der Strategie am Tag der Entscheidung

Zurück zum Tag des Vortrages des Gedichts mit Benotung. Die Ermahnung unserer Lehrerin von einst, den Mitschülern zuzuhören, war meine Strategie, um den Vortrag des Gedichts zu meistern. Und wenn ich als erster aufgerufen worden wäre? Nun, dass konnte ich nahezu ausschließen. Es gab immer Freiwillige. Diese konnten sogar das Gedicht schon lange, obwohl noch viel Zeit bis zum Vortrag auf Note war. Und weil wir eine sehr große Klasse waren, mit vielen Freiwilligen, kamen immer genug vor mir dran, von denen ich das Gedicht dann lernen konnte.

Damit aber nicht genug. Weil ich auch darauf achtete, was die Lehrerin an der Art des Vortrages auszusetzen hatte, konnte ich diese Fehler vermeiden und mit einer guten bis sehr guten Note diese Herausforderung für mich entscheiden.

Pro und Contra meiner Strategie

Den „bewaffneten Frieden“ habe ich nie gelernt. Stimmt nicht ganz, ich habe ihn nicht auf die übliche Art gelernt. Aber ich habe ihn auch wieder verlernt, und zwar gar nicht so lange danach. Manche mögen ihn heute noch können, weil sie so gelernt haben, wie man es eigentlich tut.

Liegt wahrscheinlich daran, dass sie immer noch die einzelnen Worte vor sich sehen, die sie einst gelernt haben, denn an dass was man sieht erinnert man sich besser, als das was man nur hört.

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