Made in GDR

trabantmodellauto
Foto : Bärbel Jobst / pixelio.de

Das die DDR für das kapitalistische Ausland produzierte und zur Devisenbeschaffung das meiste exportierte, kannte ich bislang nur aus den Dokumentationen, die auf den „Öffentlich-rechtlichen Sendern“ ab und zu liefern. Dabei kam ich mit einem dieser Produkte noch vor der politischen Wende in der DDR damit in Berührung, konnte mir damals aber keinen Reim darauf machen, und das kam so:

Der Weg zum „Statussymbol“

Die Geschichte fing mit dem Inkrafttreten der Reiseverordnung der DDR zu Reisen in die BRD an. Bislang durfte nur mein Opa seine Verwandten in der BRD besuchen. Mit Änderung der Reiseverordnung vom 01. April 1989 durften auch Ehepartner mitreisen. Da Oma zum ersten Mal in den „Westen“ mit Opa fahren durfte, fragte sie uns, was wir uns von dort wünschten.

Für mich als Jungen stand es fest. Ich wollte einen „Matchbox“. Ein kleines Modellauto, gerade einmal so groß, dass es in eine Streichholzschachtel passte, daher auch der Name, welches mir die Tür in die Cliquen meiner Klasse öffnen konnte. Jeder Junge in meiner Klasse besaß mindestens ein paar dieser begehrten Flitzer, bekommen durch die Westpakete von den Verwandten, an Weihnachten.

Eintrittskarte in den Club

Diese brachten Sie in die Schule um nach dem Unterricht damit zu spielen, zu tauschen oder einfach um „cool“ zu sein, weil man etwas „cooles“ besaß. Sodann erstanden Rennpisten, Schanzen und Verfolgungsjagden, quer durchs„ Klassenzimmer“. Nachgespielt wurden auch Actionserien wie „Ein Colt für alle Fälle“. Nein die Fangfrage nach dem Aussehen des Sandmannes brauchte keine Lehrerin oder Erzieherin, damals stellen.

Aber dass war zu dieser Zeit liberaler. Wer in die Gruppe dieser „Motorsportbegeisterten“ aufgenommen werden wollte, musste das Kriterium erfüllen, einen „echten“ Matchbox zu besitzen. Als Test galt, dass das Auto, wenn man es mit dem Front- bzw. Heckseite anhob und dann fallen ließ, beim Aufsetzen nachfederte. Auch „Hot Weels“ und andere wurden in den Pantheon der „Matchbox“ so aufgenommen.

Das Geheimnis der Bodenplatte

Zurück zu meinem Wunsch. Nach der Rückkehr aus dem Westen bekam ich insgesamt drei tolle Modelle. Meine Eintrittskarte. Endlich dazugehören. Meine Schwester half mir das Auto in die Schule zu schmuggeln, außer zu Hause sollte ich damit nicht spielen. Nur sie hatte ihr Westspielzeug auch heimlich im Ranzen versteckt und brauchte einen Verbündeten, der sie nicht verriet, weil er selbst…

Endlich gehörte ich dazu, man sah mich als „Handelspartner“, denn man wollte mit mir tauschen. Ich durfte auf den Parkour mitfahren, an Wettrennen teilnehmen und in einer der Actionserien mitspielen. Beim vorübergehenden Tausch, schaute sich ein Mitschüler mein Auto genauer an, und drehte es auf das Dach. „Man dein Auto kommt nicht aus dem Westen, sondern ist Made in GDR“.

So hatte sich der Produktionskreislauf auf wundersame Weise geschlossen, denn diese Autos wären nie in Hände von Kinder der DDR gelangt,wie ich den eingangs erwähnten Dokumentarfilmen entnehmen konnte, aber die Reiseverordnung vom 01.April 1989 hatte, diese Kreislauf ungewollt und auf wundersame Weise geschlossen. Den Test der Federung bestand mein „Matchbox“ und ich durfte bleiben, bis „Matchbox“ nicht mehr in war.

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