Skispringen auf Zeitungspapier

Skischanze
Foto : Berchtold / pixelio.de

„ … und er fliegt und fliegt .. was für eine Landung“, so oder so ähnlich habe ich immer noch die Worte des Sportreportes im Ohr, als er den Sprung von Jens Weißflog kommentierte. Die Adler der Skischanze folgen wieder, damals im Winter 1984 anlässlich der Olympischen Spiele in Sarajewo (damals noch Jugoslawien). Und der Adler der DDR, Jens Weißflog, brachte Gold und Silber mit.

Fliegen wie diese Adler das wollte ich auch eines Tages, wenn ich groß bin. Ich stellte mir vor, wie ich dann alle Mitbewerber überflügeln würde. Ganz genau schaute ich mir an, wie die einzelnen Athleten sich auf Ihren Sprung vorbereiteten. Damals war das, fand ich, sehr viel interessanter als heute. Nicht alle Schanzen, hatten wie heute eine Art Sitzbalken.

Der Absprung im Original

Ich möchte nun nicht sagen, dass der Abstoß von diesem Sitzbalken und dem ganz genauen Folgen der von den V-Springer gebildeten Spur einfach ist, denn ich bin höchsten einmal eine Schanze während einer Klassenfahrt heruntergelaufen, und das war schon nicht einfach, obwohl das nur die kleine Schanze in Eilenburg war.

Dennoch damals 1984 konnte ich im Fernseher beobachten, wie die Springer mit Schwung erst aus einer Luke ganz oben in der Schanze auf die Spur springen mussten und dann auch gut den Sprung vom Schanzentisch abpassen mussten. Mir fiel auch auf, wie Sie vor dem Sprung an ihren Sportbrillen schnipsten, weil die „beschlagen wurde“ wie Opa mir erklärte. Dann erfuhr ich, dass die Skispringer im Sommer nicht einfach Pause hatten, sondern auf Matten trainierten.

Meine „Ski“-Ausrüstung

Nun ich hatte weder Matten, noch eine Schanze (von der in Eilenburg erfuhr ich erst während oben besagter Klassenfahrt, nach der Wende), und Ski auch nicht. Aber ich hatte Phantasie und die hilft zu Improvisieren. Und „trainieren“ musste ich, wollte ich den Jens Weißflog einmal beerben (um nicht verdrängen zu sagen).

Zunächst brauchte ich Ski. Ich nahm die Seiten der Tageszeitung, blätterte sie zu einem DIN-A3-Bogen auf und rollte sie längst, wie einen Teppich, nur dass ich die Zeitung dabei platt drückte, damit einer meiner Füße jeweils darauf Platz hatte. Die Vorderseiten des Papierski knickte ich um, damit sie etwas Ähnlichkeit mit der Spitze eines echten Skis bekamen. Für die Bindung verwendete ich die Schnürsenkel aus meinen Schuhen. Sehr zum Ärger von Oma und Opa, weil dadurch Zeit verlorenging, wenn wir mal weg wollten und die Schuhe nicht zuzubinden gingen.

Jetzt nur noch einen geeigneten Trainingsraum für die Trockenübungen finden. Die Küche der Großeltern war ideal dafür. In der Mitte stand ein massiver Tisch der zum Abwasch und als Esstisch diente, denn er hatte ein Schubfach integriert in dem Aussparungen für zwei große Schüsseln waren. Hinter dem Tisch, zur Wand hin, befand sich eine Küchenschrank.

Ich passte genau in den Zwischenraum. Manchmal stützte ich mich auf die Anlageplatte mit der einen Hand und auf die Tischplatte mit der anderen Hand, so dass man diese Möbel auch als „Barren“ verwenden konnte.

Ich band mit also meine Zeitungsski an die Füße, setze mir eine Sonnenbrille als Ersatz für die Sportbrille auf und stieß mich von der Tischplatte und der Küchenschrankablage ab. Mich in die Spur springen, wenn es dann ernst wird, dass konnte ich schon mal.

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