Tausche Wartezeit gegen Moskwitsch

zehner
Foto : peepe / pixelio.de

Ein Geldschein der mir am meisten aus der Kindheit in Erinnerung geblieben ist, ist die 10-Mark-Banknote der DDR. Warum dies so war, lag wahrscheinlich an dem Konterfei, welches die Vorderseite des Geldscheins zierte. Es gehörte Clara Zetkin. Nun war Clara Zetkin auf dem Geldschein schon um einiges älter und auch sonst schien sie nach meinem Geschmack keine Schönheit zu sein.

Ein Symbol für den DDR-Automarkt

 

Es war vielmehr dieses Konterfei von Clara Zetkin in Verbindung mit der Rückseite des 10-Mark-Geldscheins. Das Motiv bildete eine junge Frau an einem technisch modernen Arbeitsplatz.

Was mir diese Banknote der DDR in das Gedächtnis brannte, war ein Witz über den Ostautomobilmarkt, der auf den Motiven des Geldscheins basierte:

Am 10-Markt-Schein erkennt man, wann man mit seinen Trabbi rechnen kann. Sieh die zuerst das Bild auf der Rückseite an. (die junge Frau am technisch modernen Arbeitsplatz) So siehst du aus, wenn du deinen Trabbi bestellst. Dann dreht den Geldschein auf die Seite mit dem Konterfei. So siehst du aus, wenn dein Trabbi geliefert wird.“

Nicht warten, dass der kommt, sondern funktioniert

Nur mit diesem Geldschein funktionierte dieser Witz, weshalb er wohl den meisten in Erinnerung geblieben ist. Ich jedenfalls habe diesen Witz nie verstanden. Denn ein Auto, einen Moskwitsch, hatten wir immer. Dafür, dass wir aber nicht in den Genuss der Wartezeit von 12 Jahren, wie die anderen, kamen, wurden wir mit den ganz besonderen „Eigenschaften“ des Moskwitsch entschädigt.

Diese russische Seele von einem Auto fuhr wie ein sturer Esel, nämlich nur dann wenn es Lust hatte. Das war so schlimm, dass Oma mit Vater eine seltsame Vereinbarung traf, wenn sie einmal, irgendwohin mitgenommen werden wollte: „Wenn dein Auto fahren sollte, kannst du mich nächste Woche mal nach … bringen.“

(Werbe)versprechen muss man brechen

 

Unlängst habe ich im Internet ein Werbevideo von Moskwitch gefunden, indem die Zuverlässigkeit des Autos gepriesen wurde. Eduard von Schnitzler hätte wohl gesagt: „ Der Westen klaut auch unsere Werbung. Preist er seine Produkte doch genau mit falschen Versprechungen an, wie wir unseren Importschlager Moskwitsch“. (Nur mit der Anmerkung hätte er auch zum ersten Mal erfahren, dass es Zensuren nicht nur in der Schulzeit gibt.)

Ich hatte mir meinen ganz eigen Reim auf diesen Wagen gemacht. Eventuell hat der den Klimawechsel von Russland nach Ostdeutschland nie ganz verwunden. Bleibt mir an dieser Stelle nur noch ein Stiller Nachruf auf dich unser Moskwitsch. Habe ihn extra für dich etwas umgedichtet:

Wer seinen Moskwitsch liebt der schiebt (mit an)“

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